Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Kuchen
Man schrieb das Jahr 1868, als sich die damalige Einwohnerschaft entschloss, so wie es auch in den anderen Gemeinden des Filstals schon geschehen war, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. In einem Protokoll vom 12. Januar 1868 steht:
"Diejenigen Ortseinwohner, welche sich zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr gemeldet haben, haben sich heute auf dem Rathaus zu versammeln, um sich zu besprechen, auf welche Weise mit Institut begonnen werden solle". Man wählte dabei zuerst eine Kommission, die die erforderlichen Statuen zu entwerfen hatte. Am 23. Februar 1868 lagen diese Statuen vor und man schritt nun zur sogenannten Wehrgründung mit Rotteneinteilung, bestehend aus Steigerkompanie, einer Rettungsmannschaft und einer Spritzmannschaft. Es tauchten Namen auf, die heute noch in Kuchen zu hören sind, wie Mühlich, Hagmann, Albrecht, Ziegler, Strobel, Blessing, Goll, Stahl, Lehle, Herrlinger u.s.w. Diese bekannten Namen ziehen sich durch die Reihe der jeweiligen Feuerwehrkommandanten. Als erster Kommandant wurde Conrad Mühlich und als sein Stellvertreter und Adjutant Matthias Albrecht gewählt.
Die Beschaffung der ersten Geräte wurde in diesem Bericht ebenfalls erwähnt. Man begnüge sich aus Geldmangel zuerst mit 4 Laternen, einem Dutzend Lichtern, 6 Seilen, nebst erforderlichen Haken, 8 Helmen für die 4 Offiziere und 4 Mann, Schlauchhaltern nebst 4 Rosshaarschlauchhaltern, Beile nebst Futterhaltern sowie einem Sporn. Jedoch reichte das vorhandene Geld nicht aus, und so hafteten, wie es hieß, für die fehlenden Mittel sämtliche Mitglieder solidarisch, bis der Rest gedeckt werden konnte. Eine Spritze wird erstmals im Jahr 1877 erwähnt, natürlich musste die Pumpkraft von Hand aufgebracht werden. Eine fahrbare Leiter, die heute noch bereitgehalten wird, kam in Jahr 1912 hinzu.
Der technische Fortschritt zig im Jahr 1932 in die Kuchener Wehr ein. Man kaufte für die den damaligen Verhältnissen entsprechend recht hohe Summe von 3.280,- Reichsmark eine Motorspritze. Diese Spritze - eine Magirus mit 800 Liter Wasserförderung in der Minute - wurde zum Transport auf einen vollgummibereiften Wagen aufgebracht und ersetzte die Handpumpe, das sogenannte Hydrophor. Nun reduzierte sich der Mannschaftsbestand schlagartig von 120 Feuerwehrmännern im Jahr 1931 auf 80 Mann im Jahr 1933, denn 36 Leute waren allein zur Bedienung des Hydrophors notwendig.
Im Jahr 1946 ließen die amerikanischen Besatzungseinheiten bei ihrem Abzug eine Motorspritze stehen. Die damalige Wehr war froh, in dieser schlechten Zeit so günstig zu einer zweiten Spritze zu kommen und rüstete diese mit einem Geräte und Schlauchwagen aus. Nach weiteren 10 Jahren entschloss man sich, das erste Feuerwehrfahrzeug - ein KLF 6 mit einer Vorbaupumpe - zu kaufen. Bis zum Jahr 1956 wurden also alle Einsätze und Übungen auf Schusters Rappen abgeleistet. Erst im Jahr 1961 wurde die Wehr durch den Kauf einer neuen Motorspritze TS 8 und eines umgebauten VW-Transporters voll motorisiert. Nachdem in Jahr 1965 eine neue TS 8 hinzu kam, wurden die alten Pumpen ausgemustert. Zur motorisierten Ausrüstung fehlte allerdings noch eine einwandfreie Alarmierung. So wurde als letzte Errungenschaft 1967 die Weckerlinie installiert, mit der nun 23 Feuerwehrleute, ohne Belästigung der Öffentlichkeit, direkt alarmiert werden können.
Wie stark früher die Einwohnerschaft belastet war zeigt die Statistik, wonach im Jahr 1910 106 Feuerwehrleute aktiv waren bei einer Einwohnerzahl von 2368, 1933 waren 120 Mann bei 2410 Einwohnern und 1968 35 aktive Wehrmänner bei 5300 Einwohnern.
Dabei hatte bis zum Jahr 1925 jeder Bürger die Pflicht - wie es in einer damaligen Verordnung hieß - mit Kübeln, Gölten, Äxten und sonstigen Gerätschaften zum Brandplatz zu eilen und den Anordnungen des leitenden Beamten unbedingt Folge zu leisten. Besitzer von Reitpferden hatten auf jedes Feuerzeichen hin ihre Pferde gesattelt parat zu halten und sich auf Verlangen der Polizeibehörde dem Feuerreiter- und Botendienst unweigerlich und pünktlich zu unterziehen. Wie pünktlich genau man damals den Feuerwehrdienst nahm zeigte eine Urkunde vom Jahr 1876, wonach angezeigt wurde, dass der Johann Leonhard Mayer beim Brand am 12.02. in der Fabrik nicht anwesend war, sondern im Orte und außerdemselben herumspaziert sei und deshalb zur Verantwortung gezogen werden soll. Trotz der Entschuldigung des Herrn Mayer, er habe wunde Füße gehabt, wurde ihm eine Strafe von 1 Mark auferlegt. Mit 2 Mark wurde ein anderer Missetäter belegt, da er unentschuldigt dem Dienst fernblieb und dabei noch die Frechheit hatte, der Wehr bei einer Übung am Seebach gemütlich zuzuschauen.
Diese Vorkommnisse hören sich heute zwar sehr unterhaltend an, sie zeigen aber auf, dass die anfängliche Begeisterung für den freiwilligen Feuerwehrdienst allmählich nachließ. Da sich die Zahl der Feuerwehrmänner laufend verringerte, kam es im Jahre 1878 zur Umwandlung der Freiwilligen Feuerwehr in eine Pflichtfeuerwehr.
Bereits im Jahre 1911 war man bestrebt, wieder eine Freiwillige Feuerwehr aufzustellen. Diese Bemühungen scheiterten jedoch. Erst im März 1925 wurde die Pflichtfeuerwehr unter dem damaligen Kommandanten Friedrich Frey wieder in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt.
Auch der Feuerwehrdienst während des 2. Weltkrieges war mehr oder weniger Pflicht, denn die Heranziehung zum Feuerwehrdienst erfolgte mit kurzer amtlicher Aufforderung. Da die jüngere Generation zum Kriegswehrdienst eingezogen wurde, war man insbesondere in den Jahren 1941-1945 gezwungen, die älteren Jahrgänge zum Feuerwehrdienst heranzuziehen.
Nach Beendigung des Krieges wurden die zurückkehrenden jungen Leute zum Feuerwehrdienst verpflichtet, da die notwendige Stärke der Wehr auf freiwilliger Basis nicht erreicht werden konnte. Aus diesem Grunde fasste der Gemeinderat am 04.02.1947 den Beschluss, in Kuchen eine Pflicht-Feuerwehr einzuführen. Diese Entscheidung wurde jedoch von der Aufsichtsbehörde für rechtswidrig erklärt, so dass auch weiterhin eine Freiwillige Feuerwehr bestand.
Von früheren größeren Bränden oder Katastrophen ist wenig bekannt. Aktenkundig sind lediglich Brände, die am 24. November 1874 (Staub´sche Spinnerei - der damaligen SBI)und am 30. Juli 1890 ausbrachen. In den letzten Jahren sind Hochwassereinsätze im Jahr 1951 und 1956 sowie Brandeinsätze am 08. Dezember 1953 beim Anwesen Eberhard am Marktplatz, am 03. März 1954 beim Anwesen Eckardt (Hofbauer) und am 24. Oktober 1955 beim Gasthaus Friegel zu erwähnen.
Auch für zweckentfremdete Einsätze zog man die Feuerwehr heran. So wurden im Jahr 1940 verschiedene Feuerwehrmänner zu Hilfspolizisten ernannt, wobei sie Vorträge über Festnahmen und Durchsuchungen von verdächtigen Personen über sich ergehen lassen mussten.
Durchsuchen musste die Feuerwehr auch die angrenzenden Wälder, als 1943 zweimal Kriegsgefangene das Gefangenenlager mit der Freiheit vertauscht hatten. Ebenso schickte man die Wehr 1945 auf die Straßen, um das Eigentum der Bürger vor den zurückflutenden Kriegsgefangenen zu schützen.
Die Kameradschaft, die bei jeder Feuerwehr Vorraussetzung für eine gute Schlagkraft ist, zeigte sich auch 1961, als man die Gründung eines Fanfarenzuges beschloss. Unter der Anleitung von Zugführer Walter Ströhlen entwickelte sich bis zum heutigen Tag ein Musikkorps, das sich jederzeit mit seinen Leistungen sehen lassen kann.
Der Höhepunkt und die Würdigung dieser Arbeit wird zweifellos das mit dem 100-jährigen Jubiläum verbundene Landestreffen der Spielmanns- und Fanfarenzüge sein. Im Jubiläumsjahr sollte man auch nicht vergessen, die Arbeit von dem seit 19 Jahren tätigen Kommandanten Karl Harrer zu würdigen. Er hat es in diesen Jahren verstanden, die Kameradschaft und die damit verbundene Schlagkraft der Wehr hochzuhalten und zu fördern.